Der März begann heftig. Wir waren noch gemütlich beim Einkaufen in Waldkirchen. Kaum zuhause, bekamen wir gleichzeitig heftigen Reizhusten. Dann fühlten wir uns immer schlapper. Am 05. März setzte ich mich früh erschöpft ins Auto und fuhr zum Arzt. Othmar war da noch nicht soweit. Bei mir wurde eine akute Bronchitis diagnostiziert, die mich wieder mal aus dem Leben riss. Dazu die 24-stündigen Hustenattacken, die jede Lebensfreude im Keim erstickte. Zwei Tage später ging Othmar dann mit zum Arzt. Er hatte ebenfalls eine akute Bronchitis samt angehende Rippenfellentzündung. Nicht sehr optimal, wenn Beide gleichzeitig so drauf sind, da liegen die Nerven echt blank. Wir waren einfach nur erschöpft und schleppten uns durch die Tage. Zumindest waren unsere Lungen soweit ok, wie sich beim Röntgen herausgestellt hatte. In der zweiten Woche ging es mir immer schlechter, Othmar dagegen kam „langsam“ wieder auf die Beine. Ich bekam stärkere Medikamente, die die Symptomatik etwas erleichterten. Dafür wurde noch ein RS-Virus festgestellt – meldepflichtig und nicht behandelbar. So schlich ich weiter durch die nächsten Tage.
Viele Nachbarn hatten ähnliche Beschwerden und beklagten die heftige Müdigkeit und dass es über Wochen so geht. So war das zumindest eine Erklärung für uns.
Freude bereiteten allerdings die herrlichen Sonnentage dazwischen – ein Vorgeschmack auf den Frühling. Raus mit den Gartenstühlen und das Lebenselixier tanken.
Unglaublich, was dieser Garten zu bieten hat. Ich gehe wie ein Kind begeistert umher und freue mich über die lange nicht gesehenen und doch so vertrauten Pflänzchen.

Schneeglöckchen

eine Primel, die sich nicht aufhälten lässt

ein bunter Seelenbalsam

Krokusse – und alles in meinen Lieblingsfarben

ich bekomme nicht genug davon

Dazu diese Vogelwelt. Stare die nisten, Rotkelchen, Meisen, Spatzen – es macht solch eine Freude sie zu füttern und ihrer Lebendigkeit und ihrem Behagen zuzusehen.
Über drei Wochen geht es mir nun so mies. Ich sehe vor lauter Erschöpfung nicht mehr aus den Augen. Dann begann der Kopf zu wackeln, ein typisches Zeichen für eine Quecksilbervergiftung. Und da endlich dämmerte es mir. Eine Woche später fuhr ich mit letzter Kraft und einem tollen Mann an meiner Seite (der sich um die Navigation kümmerte) in den Münchner Süden nach Straßlach-Dingharting zu meiner langjährigen Ärztin.
Ich hatte einen Quecksilberwert, der alles sprengte. Dazu Blei, das die Ausleitung des Quecksilbers verhinderte. Nach den ersten 30 Minuten Behandlung gingen nach Wochen meine Augen endlich wieder auf, mein Gesicht nahm eine normale Form an. Das Beste aber ist die Lebensfreude, die tief aus meinem Inneren hochstieg. Mein Glück, dass ich so sensibel bin und das alles spüren darf.
Vergiftet hatte ich mich systematisch die letzten Monate selber. Täglicher mehrfacher Genuss von Mandarinen und Orangen haben dafür gesorgt. Eigentlich hätte ich es wissen müssen. Nach 20 Jahren Türkei, wo die Zitrusfrüchte „ungespritzt“ vom Baum aus dem Garten gegessen werden konnten, habe ich das Problem hier verdrängt. Nun bin ich erst mal im Schockzustand und werde in Zukunft sehr genau schauen, wo das Obst und das Gemüse herkommt. Verzicht ist jetzt oberste Priorität, aber nach diesen grauenhaften Wochen ist das sicher zu schaffen.
Übernachten durften wir nach der Behandlung bei unseren Freunden in Langwied und wurden dort liebevoll versorgt. Um die Katzen hat sich unsere Nachbarin gekümmert und sie mit Streicheleinheiten bei Laune gehalten. Es tut einfach nur gut solche Freunde in Notsituationen zu haben. Am nächsten Morgen ging es dann gleich zurück, um dem beginnenden Oster-Reiseverkehr zu entgehen.
Seit fünf Tagen bin ich nun zurück im Leben und immer wieder erstaunt, wie schnell sich mein Körper regeneriert. Leider müssen die Gartenarbeit und der geplante Bau der Hochbeete noch etwas warten. Seit zwei Tagen hat der Winter nochmal ein Intermezzo mit Schneetreiben und Minusgraden veranstaltet.

grau in grau und immer wieder Schnee, ich dachte das hätten wir durch

doch die Sonne bietet dem Winter Paroli und sie wird gewinnen

dazu die Magnolienblüten, die sich nicht mehr aufhalten lassen

und ein Tulpengruss, der mir die Rückkehr ins Leben zeigt
Es war ein sehr anstrengender Monat, doch wir sind auf einem guten Weg. Ich mache seit zwei Tagen endlich wieder meine Gymnastik, das ist der erste Schritt. Das Leben ist eine tägliche Herausforderung, doch wie wir sie meistern, haben wir selbst in der Hand. Ich bin glücklich, dass ich so ein sonniges Gemüt habe und mich immer wieder positiv an tausend Dingen erfreuen kann. Nun bin ich gespannt, was der umtriebige April hier so zu bieten hat.