Ich sitze hier im Warmen – draußen hat es heute minus 10,7 Grad mit einer weißen Winterpracht. Die Gedanken schwirren wie Schmetterlinge durch meinen Kopf, wenn ich versuche, auf unser turbulentes Jahr zurückzuschauen. Soviel auf, soviel nieder. Die Zeit lässt Gedanken und Gefühle hochkommen die verarbeitet werden wollen. Wie schafft man es, immer wieder aufzustehen und weiterzumachen? Es sind die Menschen, die uns immer wieder neu begegnen. Die wir kennenlernen dürfen. Die uns in ihr Herz schließen. Es sind die, die uns die Kraft zum Weitermachen geben. Die, die uns das Gefühl vermitteln eben nicht alleine zu sein. Wie wertvoll ist es, dies zu erkennen und zu schätzen.
Es wird winterlich. Die Minusgrade häufen sich nun, doch unser Wohnbereich bleibt – dank Ölheizung und Holzofen – gemütlich warm. Die einkehrende Ruhe tut gut, wir haben es dringend nötig nach diesem Jahr.
Am 5. Dezember waren wir zur Willkommensfeier bei unseren Nachbarn aus Straubing eingeladen. Die sind auch erst im August hierher gezogen und schon nach dem ersten Treffen war klar – wir verstehen uns blendend.

weihnachtlich geschmückt – es ist alles so neu für uns
Lustig wurde es dann bei Glühwein, Bratwürstl und den göttlich schmeckenden Platzerl. Dick eingemummt standen wir um die Feuertonne und nach und nach wurden es immer mehr Leute. Für uns die beste Gelegenheit uns vorzustellen und interessante Gespräche zu führen.

da war`s noch ruhig, doch das hat sich schnell geändert. Fast fünf Stunden später haben wir den Heimweg angetreten, gefüllt mit dem Gefühl „hier sind wir Dahoam“.
In der zweiten Dezemberwoche gingen die Temperaturen wirklich nochmal bis auf 12 Grad hoch und ich hab bei strahlendem Sonnenschein im Garten gewerkelt. Im Geiste habe ich schon den Frühling vor Augen gehabt.
Das schöne Wetter hat uns inspiriert, spontan einen Ausflug zum Dreisesselberg zu machen. Der ist gerade mal 19 km entfernt. Der Parkplatz fast leer. Ja, es hat schon Vorteile, wenn man da lebt, wo Andere Urlaub machen. Wir können uns die touristenfreien Tage einfach aussuchen. Nach einem halbstündigen Spaziergang waren wird dann schon am Gipfel.

über den Wolken……
…..ist die Freiheit grenzenlos
dazu eine herzliche Umarmung

einfach spüren

Kraft tanken

und sich bei diesem Ausblick ……

in eine andere Welt entführen lassen
Am 13. Dezember war das Wetter wohl ziemlich neblig und nasskalt, doch das hinderte uns nicht in der Pfarrkirche von Grainet die „Musikalische Weihnachtszeit“ mit verschiedenen Musikgruppen zu genießen. Ein buntes Potpourri – teils klassisch schwer bis zur Leichtigkeit – wurde geboten. Doch der Höhepunkt war die Blaskapelle, die mit moderner Musik fast zum Schunkeln animierte (die spielten auch schon auf der Wies`n). Ja es war ein echter Genuss.

die Kirche war proppenvoll und wir mittendrin –
das Wort surreal gewann wieder mal eine neue Bedeutung für mich
Am 14. Dezember brauchten wir kein Auto und konnten zu Fuß den Weihnachtsmarkt mit Glühwein und kleinen Köstlichkeiten bei uns am Dorfplatz genießen. Die Völkerballdamen haben mit viel Vorarbeit für einen „Freideafler Weihnachtszauber“ gesorgt. Es war wunderschön, die Menschen dicht gedrängt und viele Feuertonnen sorgten für ein warmes Miteinander.
Der Höhepunkt war dann der Auftritt einer Perchtengruppe. Das sind Gestalten, die in den Raunächten den Winter und die bösen Geister vertreiben und gleichzeitig das Neue Jahr mit Glück und Fruchtbarkeit begrüßen.

ganz schön gruselig

aber trotz des wilden Aussehens……

….sind sie sanfte Gesellen
Unser Haus ist echt gemütlich, aber wenn es richtig kalt ist, hat die Diele gerade mal 10 Grad. Wir sind jedoch (Lebens-)Künstler und haben immer wieder neue Ideen. Wegen der Katzen ist ja die Katzenklappe eingebaut. Damit sie auch rein und raus können, stehen die hinteren Türen immer einen Spalt offen. Doch das ist eine heftige Kältebrücke. Mit Bläschenfolie an den Fenstern und Fleecedecken arbeiten wir dagegen. Auch der Thermovorhang an der Durchgangstüre hilft. Doch das war mir einfach nicht genug bei der Aussicht, dass der Winter ja noch etwas länger hier dauert.

Nun liegen dicke Juteteppiche von Ikea in der Diele und es fühlt sich um einige Grad wärmer an. Vor allem Suse ist begeistert, denn die denkt allen ernstes, dass das die neue Kratzfläche für ihre Maniküre ist. Raus gehen sie nur im Schnelldurchgang, sie sind halt im sonnigen Süden geboren und meiden die Kälte und den Schnee.
Und dann kam er – „da Bäimisch“ – „der Böhmische Wind“ der Ostwind, der aus Tschechien zu uns rüberkommt. Tagelang pfiff er eisig ums Haus und ich war froh, die Teppiche rechtzeitig bestellt zu haben.
Unser erstes Weihnachtsgeschenk hier in Deutschland – unsere Vermieter haben uns damit sehr berührt – danke dafür.

Unsere Katzen lieben den warmen Fensterplatz mit Aussicht. Da ist durch die fahrenden Autos dauernd Bewegung – Fernsehen für Katzen eben.

Suse in meditativem Schlaf – das kann sie wirklich täglich mit Genuss
„Heiliger Abend“ – ein eigenartiges Gefühl. In der Türkei war das alles weit weg. Hier bewegt es mich. Es gibt immer noch Seiten in mir, die mir völlig neu sind.
Das schönste Geschenk jedoch „weiße Weihnachten“.
Am Abend haben wir das neue Raclette in trauter Zweisamkeit getestet

endlich mit passendem Käse und einer Vielfalt an Delikatessen

das wir hoffentlich bald mit Freunden wiederholen dürfen
28. Dezember, 9 Uhr früh – wir noch in kuscheligen Morgenmänteln beim ersten Kaffee in der Küche. Ich sehe durch`s Küchenfenster immer mehr Wollmützen und Leute mit Instrumenten. Die haben sich vor unserer Eingangstür versammelt und dann hörten wir Musik. Eine Delegation unserer Blaskapelle Grainet, dick angezogen mit Mützen und Handschuh gehen hier von Haus zu Haus zum „Neujahranspielen“, um nach altem Brauch musikalisch gute Wünsche für das kommende Jahr zu überbringen. Wir hatten echt Spaß mit denen und uns riesig gefreut – auch noch im Schlafzeug. Danke dafür

ein aktuelles Foto mit den Mützen hab ich vor lauter Erstaunen nicht geschafft, aber hier ist die ganze tolle Truppe zu sehen
Nun werden wir dieses turbulente Jahr mit einem weinenden und einem lachenden Auge beenden. Die Neugier auf das was kommt, gewinnt allerdings schon wieder Oberhand.
An Frieden auf dieser Welt glaube ich schon lange nicht mehr, doch das Miteinander in unserer kleinen Welt mit Familie, Nachbarn und Freunden können wir selbst verändern.

In diesem Sinne ein gesundes 2026!